Gefördert vom BMBFUnter wirtschaftsstrategischen Rohstoffen im Sinne der r4-Bekanntmachung des BMBF versteht man nichtenergetische, mineralische und metallische Rohstoffe wie Platingruppenmetalle, Stahlveredler, Hochtechnologiemetalle und Seltene Erden, welche für Zukunftstechnologien sicher verfügbar sein müssen. Durch den Import dieser Rohstoffe sind die betroffenen Wirtschaftszweige krisenanfällig. Eine direkte Bereitstellung dieser Rohstoffe aus deutschen Lagerstätten würde signifikant zur Entspannung dieser Situation beitragen. Zusätzliche Rohstoffquellen könnten somit zur Stabilisierung der Marktsituation beitragen. Bei dem vom BMBF im Rahmen der r4-Maßnahmen geförderten Forschungsprojekt handelt es sich um die Nutzbarmachung der Flotationsrückstände aus den beiden Tailings am Bollrich in Goslar.

Das Rammelsberg-Erz, bei dessen Aufbereitung diese Rückstände entstanden, enthielt neben durchschnittlichen 600 ppm Indium in der Zinkblende auch andere Spurenmetalle, die heute der Kategorie der wirtschaftsstrategischen Rohstoffe zugehören. Die Tailings zeigen unter anderem relevante Gehalte an Indium, Gallium und Kobalt. Bedingt durch die während der primären Erzaufbereitung, welche sich wesentlich auf Buntmetalle fokussierte, noch nicht so weit fortgeschrittene Aufbereitungstechnik und das seinerzeit erst spät einsetzende Interesse an den genannten Sondermetallen, stellen diese alten Aufbereitungsrückständeheute eine hochinteressante anthropogene Lagerstätte dar.

Ziele

Am Beispiel ausgewählter wirtschaftsstrategischer Rohstoffe wie Indium, Gallium und Kobalt soll untersucht werden, ob eine Gewinnung aus den Flotationsteichen der Erzaufbereitung des Rammelsberges bei Goslar unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten möglich ist. Die Aufbereitungsverfahren werden an Originalproben im Rahmen von Labor- und Technikumsversuchen entwickelt und erprobt. Vorlaufend werden geeignete Abbaustrategien und -techniken sowie anschließend an die Aufbereitung Methoden zum Wiedereinbau der neu erzeugten Aufbereitungsrückstände und der Reinigung abzustoßender Wässer entwickelt. Begleitet werden die technologischen Entwicklungen von Planungen zur Infrastrukturgestaltung eines künftigen Rohstoffgewinnungsbetriebes, der Klärung von Genehmigungsfragen und weiterer für die wirtschaftliche und ökologische Gesamtbewertung erforderlichen Parameter. Dadurch wird eine höchstmögliche technische und wirtschaftliche Anschlussfähigkeit sichergestellt.

Partner

Koordiniert wird das Projekt von der CUTEC. Sie arbeitet arbeitet an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und betreibt anwendungsnahe Forschung mit dem Ziel, Ergebnisse der Grundlagenforschung zeitnah in praxisgerechte Technologien umzusetzen. Die Arbeitsschwerpunkte sind Informationen, Ressourcen und Energie. Die Abteilung Metallrecycling ist besonders im Schwerpunkt Ressourceneffizienz ausgewiesen und besitzt fundiertes Wissen im Bereich der Aufbereitung von Primär- und Sekundärrohstoffen und deren ökologische und ökonomische Bewertung. Die Abteilung Abwasserverfahrenstechnik forscht in verschiedenen Bereichen der Prozesswasser- und Klärschlammbehandlung und besitzt gute Erfahrungen in der Übertragung neuer Technologien vom Labor über den Pilot- bis in den technischen Maßstab einschl. selbst programmierter Automatisierung und Fernsteuerung/-wartung von Pilotanlagen.

Die TU Clausthal ist in diesem Projekt mit 4 Instituten vertreten. Das IBB befasst sich mit der Aufsuchung, Gewinnung und Förderung energetischer und mineralischer Rohstoffe. Die Abteilung für maschinelle Betriebsmittel und Verfahren im Bergbau unter Tage betreibt dabei neben der Lehre Forschung auf dem Gebiet der Förder- und Gewinnungstechnik. Das IELF verfügt mit den Fachgebieten Lagerstättenforschung und Mineralogie, Geochemie, Salzlagerstätten über große Erfahrung auf dem Gebiet wirtschaftlich relevanter Rohstoffe und Lagerstätten. Das IELF verfügt über umfängliche Erfahrungen und Ausrüstungen zur mineralogischen Analytik, insbesondere auch zur Identifikation und Lokalisierung von Spurenelementen. Das IFAD betreibt Verfahrensentwicklung für die Aufbereitung primärer und sekundärer Rohstoffe mittels mechanischer und hydrometallurgischer Prozesse. Langjährige Erfahrungen bestehen unter anderem in der Gewinnung von Wertstoffen aus Halden und Bergeteichen/ Spülhalden bergbaulicher Tätigkeiten. Neben einer Wertstoffgewinnung waren dabei immer Aspekte der Sanierung der Standorte und der Minimierung von möglichen Schadstoffpotenzialen von besonderem Interesse.

Die Abteilung Geotechnik des IGMC befasst sich mit der Entwicklung von Lösungsansätzen für geotechnische und bodenmechanische Problemstellungen. Dabei spielt die Anfertigung geotechnischer Bemessungen und die Durchführung von Standsicherheitsberechnungen eine wesentliche Rolle. Im themenbezogenen Zusammenhang zum beantragten Projekt steht u. a. ein durchgeführtes Forschungsvorhaben zu der Standsicherheit von Unterwasserböschungen sowie die Anfertigung geotechnischer Gutachten zu unterschiedlichen Dämmen von Speicher- und Regenrückhaltbecken.

PPM befasst sich mit der Produktion und Raffination hochreiner Metalle und deren Verbindungen. Gegenwärtig werden unter anderem Antimon, Arsen, Blei, Cadmium, Gallium, Germanium, Indium, Kupfer und Tellur sowie in vielen Fällen deren Verbindungen hergestellt. Die Produkte werden in hohen Reinheitsgraden hergestellt. Einen wesentlichen Anteil an der Rohstoffversorgung und an den verwendeten Technologien hat das Recycling von Produktionsrückständen, die z. B. Germanium, Gallium oder Indium enthalten.

HMG befasst sich mit der Produktion und Raffination von Blei und Zink, heute ausschließlich aus Recyclingvorstoffen, wie gebrauchten Starterbatterien und Stahlwerksflugstäuben. Produkte sind metallurgische Konzentrate, die an eigene oder fremde Hütten geliefert werden, in denen sie bezüglich der Zielkomponenten Blei und Zink weiterverarbeitet werden. HMG kann, teilweise auch im Konzernverbund, ein breites Spektrum an blei- und zinkhaltigen Rohstoffen verarbeiten. Zudem ist HMG in der Lage, weitere Hauptwertstoffströme in eigenen Prozessen einzusetzen oder durchzuhandeln.

STÖBICH ist auf dem Gebiet Brandschutz in Forschung und Entwicklung ausgewiesen. Sie ist Eigentümer des Untersuchungsobjektes, der Bergeteiche am Bollrich. Das Unternehmen stellt die notwendigen infrastrukturellen Ressourcen auf dem Gelände zur Verfügung und wird die erforderlichen Kontakte zu Genehmigungsbehörden herstellen und aufrechterhalten, Gespräche führen sowie in Abstimmung und Kooperation mit dem assoziierten Partner BBG erforderliche Maßnahmen koordinieren.

Das KMU PDV-SOFTWARE ist ein unabhängiger Softwarehersteller mit einer Expertise im Bereich von Industrieprozessen, Labordaten und der Entwicklung von Schnittstellen vorhandener Hard- und Software. pdv-software entwickelt LIMS zur Datenkoordinierung und optimierten Bewertung der Lagerstätten.

BIG ist ein Ingenieurbüro mit Schwerpunkten in den Bereichen Altlastensanierung und Abfallwirtschaft. BIG beteiligt sich an Forschungsvorhaben mit Umweltbezug, bspw. in r³. Arbeitsgebiete sind die Bewertung von Umweltgefährdungen, die Beurteilung umweltrechtlicher Aspekte und die Planung von Rückbaukonzepten einschließlich logistischer und sicherheitstechnischer Fragen.

Weiterführende Informationen finden Sie auf der Website der CUTEC sowie auf der Website zur Fördermaßnahme r4.

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